† In loving memory: Curioso

Details

Name: Curioso

Nickname: Soso

Disziplin: Trail, Horsemanship, Showmanship, Western Dressage

Geschlecht: Wallach

Geburtsjahr: 2002

Vater: Membrete

Mutter: Efedra

Farbe: Schimmel
Abzeichen: Brandzeichen am linken Schenkel

Größe: 1,59m

Rasse: Pura Raza Española

Besitzer: Familie Grad

Leider ist unser Soso am 09.08.2023 im Alter von 21 Jahren gestorben. Er hinterlässt eine Lücke, die keiner schließen kann…

Märchen beginnen doch immer mit „es war einmal“, richtig?
Es war einmal ein junges Mädchen, welches sich ein Pferd wünschte. Eines, mit welchem sie Turniere bestreiten konnte, Freiarbeit wie in Filmen oder einfach nur mit Halsring durch die Halle reiten konnte.
Und es kam ein Pferd.
Ein Schimmel, wie aus dem Bilderbuch – einer, der dem Märchenprinzen höchst persönlich hätte gehören können.
Sein Fell so weiß, wie Schnee, seine Augen so groß und schwarz. Und eine Stimme hell wie ein Glockenspiel.
Doch dieser Schimmel war alles andere als ein Kavalier.
Auf den Turnieren setzte er das Mädchen schon auf dem Abreiteplatz ab, galoppierte bei der Freiarbeit nach der Hälfte in die andere Richtung und genoss es mit dem Halsring so richtig loszubocken – weil, sie konnte sich ja nicht festhalten.
Und dennoch liebte das Mädchen ihn. Sie liebte ihn trotz seiner Eigenheiten oder vielleicht auch gerade deswegen. Sie wusste, dass dieses Pferd gefährlich war und wenn sie nicht aufpasste, würde der Schimmel ihrer beiden Knochen und Hälse brechen – er hat es jeden Tag aufs Neue probiert.
Doch sie blieb.
Sie lies ihn nicht im Stich.
Und irgendwann verstand der Schimmel, dass die Menschen um ihn herum doch nicht so schlimm waren. Nicht alle Menschen waren schlecht die ihm begegneten. Und so öffnete er sich dem Mädchen und hervor kam ein Gentleman, der jede Tür für das Mädchen öffnete, der jede Bresche durchbrach, wenn sie nur an seiner Seite blieb.
Sie gewannen die Turniere, sie galoppierten durch die Wälder und er trug sie trotz der Aufregung hinweg durch jede Probe.
Hin und wieder lies er sie doch nochmal die Erde sehen, denn ein wenig Bodenständigkeit und Demut hatte noch niemanden geschadet.
Sie lernten viel voneinander.
Und sie genossen jeden magischen Moment.
Der weiße Gentleman bezauberte viele Menschen auf seinem Weg mit seinem Charme, der Eleganz und seiner höflichen und distanzierten Art.
Er war vielleicht kein Schmusepony, aber dafür so vieles mehr – so viel mehr, sodass man es nicht in Worte fassen kann.
Der Schimmel brachte ihr nie den besagten ‚Märchenprinzen auf dem weißen Pferd‘, denn dieser musste zu Fuß laufen. Dafür aber trug er sie auf seinem Rücken in einem Prinzessinnenkleid zu ihm zum Altar.
Doch irgendwann geht jedes Märchen zu Ende. Und wir alle suchen unser Happy End. Und das Mädchen hatte dem Schimmel versprochen, dass sie mit ans Ende gehen wird – egal wie es aussehen würde.
Den beiden wurden viele gemeinsame Jahre vorenthalten, doch Gevatter Tod klopfte leise an die Tür und nahm den Schimmel am Halfter.
„Es wird Zeit.“ flüsterte der Tod den beiden zu und das Mädchen lies das Halfter los, denn sie wusste, dass der Tod Recht hatte. Ebenfalls wusste sie, dass Gevatter Tod sich genauso gut um ihren Schimmel kümmern würde, wie sie es die Jahre zuvor getan hatte – denn sonst hätte sie nicht losgelassen.
„And I looked, and behold a pale horse: and his name that sat on him was Death, and Hades followed with him.“
Revelation 6:8
Und wenn das Mädchen den Schimmel nun schon in ihrer Welt nicht mehr reiten konnte, so sollte der Tod es nun für sie in einer anderen tun – doch sie hoffte, das der Schimmel es ihm genauso schwer machen wird, wie sie es am Anfang ihres gemeinsamen Märchens mit ihm hatte. Ich hoffe sehr, der Tod ist ein würdiger Reiter.
Mach es gut mein Freund und warte bitte auf mich eines Tages.
09.08.2023 ✝️ Curioso

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“Soso” ist ein 2002 geborener Pura Raza Española Wallach. Seit dem Winter 2012 gehört er zu unserer Familie.
Curioso’s ursprüngliche Heimat war das schöne, sonnige Spanien, ehe er zum Verkauf nach Deutschland gebracht wurde. Schon von Anfang an, galt er als schwierig und als nur bedingt reitbar. Er sei gefährlich und verhielt sich damals noch als Hengst anderen Pferden gegenüber sehr aggressiv. Dennoch sollte er in Deutschland nochmal eine Chance bekommen und prompt verliebten meine Familie und Ich uns in die großen, schwarzen Knopfaugen.

Die ersten Wochen in unserer Obhut verhielt er sich zwar spanning, allerdings brav. Erst als ich ein paar Wochen später anfing mit Soso aktiv zu arbeiten, zeichneten sich seine Gründe ab, warum die Spanier ihn als nur bedingt, bis gar unreitbar bezeichneten.
Curioso fing an bösartig bocken und zu schnappen. Unter dem Sattel trat er wütend mit den Hufen in den Boden und versuchte mich an der Bande abzuschleifen.
Wir waren uns sicher, dass er physisch gesund war und das das Sattelzeug passte. Trotzdem ließ Curioso nichts unversucht mich loszuwerden.
Die Spirale zog sich immer enger, desto mehr ich mit ihm arbeitete. Zunächst preschte er nach dem Aufsteigen los, bockte und machte Ansätze zum Steigen. Dann warf er sich ganz bewusst in Volten, mit mir obendrauf, auf dem Boden um sich der Arbeit entziehen zu können.
Schlussendlich ging er sogar soweit, sofort nach dem Aufsteigen hochzusteigen und sich mit mir zu überschlagen. Und das ganz bewusst. Er brachte sich selbst in Gefahr um den Menschen in seiner Nähe und auf seinem Rücken loszuwerden.
Das kuriose an seiner Handlung war, dass sobald man nach dem Sturz ein weiteres Mal aufstieg, war er brav. Er ließ sich gleich danach friedlich reiten.

Wie man schnell feststellte, konnte Curioso einfach nicht mit Druck umgehen. Sei er noch so vorsichtig erfragt.
Nach mindestens zwei Jahren intensiver Arbeit, Geduld, Schweiß und die ein oder andere Träne war es soweit, dass Soso die Arbeit mit sich zuließ. Er ließ das Aufsteigen zu, ohne loszubocken, zu steigen oder nervös auf der Stelle zu tippeln.
Ihm fing an die Arbeit unter dem Westernsattel zu gefallen.

Heute ist Curioso ein sehr sensibles Westernpferd, welches immer versucht es einem Recht zu machen. Er denkt während der Arbeit unglaublich viel mit und ist meist sogar etwas voreilig.
Auch wenn sein Gesichtsausdruck öfters mal etwas schlecht gelaunt ist, ist er absolut friedlich im Umgang mit Menschen.
Zwar lässt er sich bis heute nur ungern am Kopf anfassen, was durch die schlechte Erfahrung mit der Hand und der Serreta in Spanien zurückzuführen ist, aber er lässt die Nähe des Menschen zu. Hin und wieder scheint er sie auch zu genießen.
Curioso wird nie das zuckersüße Kuschelpony werden, vor allem nie ein friedliches Kinderpony (ich habe noch nie vorher ein Pferd gesehen, welches Kinder so verachtet…)  Aber er ist wie er ist, absolut in Ordnung und mein engster Kamerad, mit dem ich einfach so viel erlebt und gelernt habe.
Und wenn ich eins von ihm gelernt habe, dann, dass man mit Geduld und intensiven Training so viel erreichen kann. Man muss nur bereit sein unglaublich viel Zeit und Geduld zu investieren.

Mittlerweile ist Curioso in “Turnier-Rente”, er wird nur noch von uns daheim gesunderhaltend geritten und gefordert. In seiner ganzen Turnierkarriere ist Curioso immer mit bemerkenswerter Manier in den Disziplinen Horsemanship und Trail gelaufen. Hin und wieder sind wir auch gemeinsam eine Pleasure oder Showmanship geritten.
Seine Vorliebe und sein spanisches Feuer kann er aber am besten bei der Arbeit mit der Garrocha ausleben.
Neben den meisten Westernmanövern, beherrscht Curioso auch viele Lektionen der klassisch-barocken Dressur. Auch die ein oder andere Zirkuslektion bereitet ihm viel Freude.

Seine Stärken liegen definitiv bei den Seitwärtsgängen und seiner hohen Aufmerksamkeit bei der Arbeit.
Zur Zeit arbeiten wir an den fliegenden Galoppwechseln, dem Galopp-Schulterherein und den Galopp-Piouretten.

Gemeinsam mit ihm absolvierte ich erfolgreich meine beiden Trainerscheine mit Bestnoten. Zu dem Trainer B- Schein hinterließ er einen so hervorragenden Eindruck bei den Richtern, dass sie uns in Der Horsemanship mit einer Note von 1,0 bewerteten – Die Bestnote schlechthin, höher ist eine Bewertung nicht mehr möglich!

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